Anne Birk - Der Ministerpräsident - ROGEON-Verlag Anne Birk
Anne Birk.
Schriftstellerin.
[Kontakt] [Impressum]
[Datenschutz] [Rechtliches]
Anne Birk
Anne Birk
Anne Birk - Schriftstellerin

Anne Birk.
Schriftstellerin.

Anne Birk: Der Ministerpräsident - Textauszüge


T
extauszüge aus Anne Birks Werk 'Der Ministerpräsident'

Anne Birk - Der Ministerpräsident. Bernies Bergung. (1.Auflage)


"...Jetzt mußte ich erfahren, daß dieser Glanz nicht wärmte, daß er die anderen in einem gewissen Abstand zu mir ver­harren ließ, daß er eine besondere Art von Einsamkeit ent­stehen ließ..."

"...Wie kam mein Vater zu der Annahme, das Familienleben des Mannes, der ihm so vergleichbar war, sei in Wahrheit so unvergleichlich anders? Wird im Leben eines Politikers allmählich alles, auch die Familie, nur ein Stück der Vor­zeige- und Herzeigewelt, lebt er nur noch für dieses Vor- und Herzeigen..."

"...Was hätte ich meinem Vater vorzuhalten, wo mich schon ein Streiflicht des Her­ausgehobenseins in ein solches Fieber versetzen konnte? Wie muß sie einen erst verändern, die Macht, wenn man wirklich an ihr Teil hat, welchen Preis bezahlt man, ist man bereit zu bezahlen, um sie sich zu erhalten?..."

"...Du hast dich so nachlässig in meinen großen Ateliersessel gelehnt und gesagt: die öffentliche Meinung, was ist das anderes, als ein Instrument, auf dem man spielt? Das mag für einen Politiker angehen, aber wenn ich dar­über nachdenke, gefällt mir auch für einen Politiker dieser Satz nicht so recht. Ihr seht euch dabei so unbedingt als die Täter, die anderen sind anonyme Manövriermasse, beson­ders demokratisch kann ich diese Einstellung nicht finden..."

"...Ich hatte begriffen, daß wir für diese Bilder dreimal zum Schneider gegangen waren. Und diese Bilder, auf denen ich neben meinen Eltern oder der Prinzessin zu sehen war, hatten mich selber zur Prinzessin gemacht, weit über andere hinausgehoben, das war ein Gefühl, als hätte ich Flügel bekommen, als wäre ich über alle anderen hinweg weit hinauf- und davongeflogen..."

"...Zu Hause hatte ich oft sagen hören, wir seien etwas ande­res als die anderen. Es war immer klar gewesen, daß das heißen sollte, wir seien etwas Besseres. Ich war in keiner Weise darauf vorbereitet, daß man mir deshalb aus dem Weg gehen könnte..."

"...kann schon sein, daß er recht hat, dein Vater, und ich ein Komödiant bin, aber weißt du, ich weiß immer, wann ich spiele, wann ich eine Komödie gebe. Ob man, wie er, vor so einem Mikrophon immer weiß, ab wann man Komödie spielt - wer kann das schon sagen..."

"...Zunächst einmal scheint es für alle, auch für Kinder bereits ganz selbstverständlich zu sein, daß man anders redet als man handelt. Daß man in Mikrophone sowieso ganz anders hineinredet, als man in Wirklichkeit handelt. Es steigt in mir der Verdacht auf, daß das Handeln vielleicht sogar davon bestimmt ist, darauf gerichtet ist, den Platz am Mikrophon zu behalten..."

"...Ich war sprachlos über dieses Redewerk, in dem Onkel Arnulf mühelos so viel strapazierte Redewendungen wie "Es ist mir aus diesem Anlaß eine besondere Freude und Ehre" bis zu "Wollen wir auch all derer gedenken, die jetzt nicht unter uns sind", wobei Onkel Arnulf die Redewendungen in perfekt sinnloser Weise hintereinander aufmaschieren ließ, so daß ihre hohle Nichtssagendheit aufs prachtvollste deutlich wurde..."

"...Politik sei ein sachorientiertes nüchternes Geschäft, bekam ich gestern wieder einmal von dir zu hören. Du scheinst zu vergessen, daß ich mit solchen Sätzen aufge­wachsen bin. Für mich ist dieser Satz so leer wie eine von Onkel Arnulfs Seifenblasenfloskeln, die man mühelos vom kurzen rhetorischen Glanz ins Nichts befördern kann. Für mich ist wichtig, was dieses angeblich so nüchterne Geschäft aus den Leuten, die es betreiben, und ihren Kindern macht und machen kann..."




Anne Birk
Zeit für ein gutes Buch! (00:43 Uhr, 18.10.2018)