Anne Birk
Anne Birk.
Schriftstellerin.
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Anne Birk - Schriftstellerin

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Pressestimmen ausführlich



Zu: "Examen 68":


"Die 'wilde Zeit' jenseits der bekannten Klischees

Anne Birk stellt in ihrer neuen Erzählung die alltäglichen Lebensumstände der Studenten in der Provinz in den Vordergrund

Esslingen. Anne Birk hat in der Buchhandlung Stocker und Paulus ihr neuestes Werk vorgestellt. In "Examen 68" schildert die Esslinger Autorin ihre Sicht der wilden Jahre und räumt mit manchem Klischee auf.

Eigentlich war Anne Birk noch mit der Ausarbeitung eines vierten Bandes ihrer großen Familiengeschichte befasst, als ihr das Thema der 1968er Jahre ins Auge stach - besser gesagt, "das, was davon in den Medien aufgearbeitet worden ist", sagt die Autorin. Die 68er, das waren für Anne Birk nicht nur Rainer Langhans, der sich noch heute als Berufskommunarde ausgibt, oder Rudi Dutschke, der an den Spätfolgen eines Attentates starb - und heute fast zum Märtyrer stilisiert wird.
Die Zeit ist nach Auffassung der Schriftstellerin "so hanebüchen aufgearbeitet", dass sie die Aufzeichnungen ihrer Familiengeschichte unterbrach und ihren Verleger darüber informierte, ein neues Buch in Angriff zu nehmen. Das sollte "auch ironisch sein" - und ist der Autorin stellenweise ganz gut gelungen, wie das Publikum bei der Vorstellung des Buches in der Buchhandlung Stocker und Paulus hören konnte.
Auf 176 Seiten hat sich die Autorin in ihrer Erzählung den 68ern von der Seite genähert, wie sie die Zeit in Tübingen erlebt hatte. Und die Lebenswirklichkeit in der Provinz beginnt schon mit der Beschreibung der Studentenbude, die nun so gar nicht an eine Kommune und ihre freizügige Wohnform erinnern mag. Ute, die Protagonistin der Erzählung, wohnt bescheiden. Herrenbesuche sind nur nach schriftlicher Voranmeldung erlaubt, mit den Briketts für den Ofen wurde gehaushaltet, der Hahn über dem Waschbecken eine Etage höher spuckte oft nur kaltes Wasser aus.
"Das war nicht so, dass die Studenten nur die Revolution im Kopf gehabt hätten", sagt Anne Birk. Die Vorbereitung aufs Examen sei hart gewesen, "da hat man die Zeit nicht nur mit Diskussionen verbringen können." Überhaupt, ihrer Ansicht nach waren die Lebensumstände der Studenten weit weniger politisiert, wie heut nachgezeichnet werde. "Die Pille gab's - aber nur für verheiratete Frauen", und vieles sei noch bis weit über die 1960er Jahre hinaus im Stil der 50er Jahre abgelaufen - tief durchdrungen von zementierten Konventionen.
Dazu zählt Anne Birk auf die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus. "Das Thema ist bis heute noch nicht endgültig aufgearbeitet", sagt die Autorin Jahrgang 1942. Für die Jüngeren sei die Auseinandersetzung mit den Geschehnissen um den Zweiten Weltkrieg eine Standortbestimmung, die Älteren reagieren eher aggressiv, so ihre Beobachtungen. Gerade der Konfrontation unterschiedlicher Generationen komme eine große Bedeutung zu. Eine Schlüsselstelle in ihrer Erzählung nimmt denn auch ein gemeinsamer Fernsehabend von Ute und ihren Eltern ein. Gemeinsam schauen sie den Film über die Verbrechen der Nationalsozialisten an, und erwartungsgemäß gehen die Meinungen darüber auseinander, "'Schalt ab', sagt die Mutter, das ist ja nicht zum Aushalten'. Alles Lügen', antwortet der Vater."
"Das alles klingt furchtbar politisch", sagt die Autorin über ihre Erzählung, "aber das soll es auch sein." Und so hat sich die Autorin auch mit der Rolle der USA in den späten 1960er Jahren auseinandergesetzt. "Wir kannten die Amerikaner bis dahin ja nur als Freunde und Verteidiger der Freiheit", so Anne Birk. Da passte überhaupt nicht ins Bild, wie die USA in Vietnam zu Felde zog. Die Erzählung endet mit dem Einmarsch russischer Kräfte in Prag. Die Zeit zwischen Ostern und August 1968 sind Anne Birk "in vier bis fünf Wochen" aus der Feder geflossen. Der Lesestoff soll aber über längere Zeit hinaus wirken, so dass "die verklärten 68er jenseits des Medienhypes ins rechte Licht gerückt werden." "
[Stuttgarter Zeitung, 12.6.2008, von Andrea Wagner]


Zu: "Die halbe Herrlichkeit den Frauen":


"Die Probleme von Frauen unterscheiden sich rund um den Erdball nur graduell. Das zeigt auch die neue Anthologie mit Texten mexikanischer und deutscher Autorinnen, die die Herausgeberinnen Anne Birk, Regine Kress-Pricke und Graciela Salazar Reyna jetzt im Rahmen der Frauenwochen in der Stadtbücherei vorstellten. 'Die halbe Herrlichkeit den Frauen' - auch der Titel des Buchs fordert unverblümt gleiche Rechte für alle Frauen ein, ganz egal, ob sie im reichen Europa oder im weniger gut gestellten Mittelamerika zu Hause sind.
Dauerbrenner rund um den Globus
Besondere Brisanz. erhält die Anthologie auch durch die geplante Verleihung des Theodor-Haecker Preises an die mexikanische Menschenrechtsaktivistin Judith Galarza. "Sie setzt sich in ihrem Heimatland auch gegen die Unterdrückung und Verschleppung von Frauen ein", sagte die Frauenbeauftragte Beate Latendorf in ihrer Einführung und hieß die Herausgeberinnen herzlich willkommen. 'Die Frauenfrage ist ein Dauerbrenner rund um den Globus'. erklärte die Esslinger Autorin Anne Birk. Gemeinsam mit Regine Kress-Fricke hatte sie die Idee zu der Anthologie, die bereits die sechste einer Reihe von Textsammlungen ist, die im Auftrag der 'Initiative Schreibende Frauen in Baden Württemberg (Ischfra)' erschienen ist. Regine Kress-Fricke ist mit Land und Leuten sehr vertraut.
Ich ging in den siebziger Jahren nach Mexiko, um die Literatur der Mayas zu entdecken. Aber ich fand Menschen", beschrieb Kress-Fricke ihre Faszination. Besonders freuten sich die beiden deutschen Autorinnen über die Anwesenheit ihrer mexikanischen Mitstreiterin Graciela Salazar Reyna, die Auszüge aus ihrer poetischen Geschichte 'Mondesser' vorlas. In der Anthologie kommen 16 mexikanische und deutsche Autorinnen zu Wort. Alle Texte erzählen von den Nöten, Sehnsüchten und Grenzüberschreitungen von Frauen. Sie sind in Deutsch und in Spanisch zu lesen und stellen Themen wie Karriere, sexuelle Selbstbestimmung und die Verortung der eigenen Identität in den Mittelpunkt. Die Schilderung von Gewalterfahrung bleibt dabei nicht nur den mexikanischen Autorinnen vorbehalten. Regine Kress-Frickes Geschichte "lm Delta zwischen Bauch und Bein" fokussiert Liebe, Sex und Gewalt auf mehreren Ebenen. Ihre Protagonistin findet sich nicht zum ersten Mal als Opfer einer fast verübten Vergewaltigung wieder. Was sich aber nur im Kopf der Hauptfigur und was sich in der Realität der Geschichte abspielt, wird nicht vollständig aufgeklärt.
Ausgebremst
Auch sind durchaus Parallelen zwischen mexikanischer und deutscher Herkunft festzustellen. Die Heldin von Anne Birks Kurzgeschichte 'Karriere' wird auf der beruflichen Überholspur durch die Möglichkeit einer Schwangerschaft ausgebremst. Sandra Sabaneros erfolgreiche Anwältin Esther sicht sich durch ihre Heirat plötzIich in das überwunden geglaubte Rollenmuster einer Ehefrau in Mexiko hineingepresst. Ob und wie sie sich aus diesen Zwängen befreien kann, kann in der Kurzgeschichte 'Esthers Entscheidung' nachgelesen werden.."
[Esslinger Zeitung, 17./18.3.2007]

"Überall auf der Erde gibt es Frauen. die sich dem traditionellen Rollenverständnis von Mann und Frau verweigern, so auch in Mexiko. Eine von der Esslingerin Anne Birk mit herausgegebene neue Anthologie zeugt vom Kampf mexikanischer Frauen um gleiche Rechte.
Von Wolfgang Berger
Die Szene, die Sandra Sabanero in 'Esthers Entscheidung' schildert, spielt in ihrem Heimatland Mexiko, sie könnte sich so aber genauso gut an jedem anderen Ort auf der Welt abspielen. Esther strickt an ihrer beruflichen Karriere, ist Alleinverdienerin. Roberto sucht erfolglos nach einem Job, versinkt in Selbstmitleid und lässt sich versorgen. 'Schon seit Stunden bin ich zurück. Ich habe Hunger, und du bist nicht da', ruft Roberto seiner Esther vorwurfsvoll die Pflichten einer Ehefrau in Erinnerung. Das Ende vom Lied ist, dass sich Esther von Roberto scheiden lässt.
Nicht nur in Mittelamerika würden viele Frauen diesen Schritt scheuen. Die in der von Anne Birk, Regine Kress-Fricke und Graciela Salazar Reyna herausgegebenen und von der Initiative "Schreibende Frauen in Baden-Württemberg" initiierten Anthologie mexikanischer und deutscher Autorinnen enthaltenen Texte beschreiben auf ernste, aber auch ironische Art, wie Frauen mit Konventionen brechen, um beruflicher Benachteiligung und sexueller Ausbeutung zu entgehen.
Die aus Trossingen stammende und in Esslingen lebende Schriftstellerin Anne Birk las am Donnerstagabend im Kutschersaal der Stadtbücherei aus ihrem eigenen Text "Karriere" über die spezielle Paranoia einer Frau kurz vor dem Vorstellungsgespräch. Da ist die Angst, die Personalchefs könnten aus Gründen einer möglichen Schwangerschaft dankend abwinken. Zusätzlichen Stress verursacht die parallel verlaufende Wohnungssuche. Und dann ist auch der Partner nicht da, wenn sie ihn am dringendsten braucht. "Kai ist für die nächsten sechs Wochen in London." Die junge Frau hat das Gefühl, gegen Wände zu laufen. "Wenn es so ist, hat sie keine Chance, noch nicht einmal kurzfristig." Es schwingt Resignation mit, wenn die Romanheldin sagt: "Das kann nicht sein. Es kann nicht sein, wie es immer gewesen ist."
Die Texte der insgesamt 16 Autorinnen sind in verschiedene Kategorien unterteilt und jeweils sowohl in Deutsch als auch in Spanisch abgedruckt. Im Kapitel "Vertreibung" erzählt Graciela Salazar Reyna anknüpfend an eine Legende die Geschichte "Comelunas" - "Mondesser". Im Zentrum steht die schöne Ligia. die an einem "der Hölle entsprungenen Sommertage" mit einem Fremden anscheinend durchgebrannt ist. Das Verschwinden Ligias lastet wie ein Fluch auf dem Dörfchen Santo Domingo. Ligias Schicksal umweht ein dunkles Geheimnis. "Es war früh am Morgen, als mir der Mond heruntergefallen ist", liest Jahre später ein Dorfbewohner von den Lippen Ligias, die als Schatten ihrer selbst zurückgekehrt ist.
Sehr viel expliziter ist der Text "Im Delta zwischen Bein und Bauch" von Regine Kress-Fricke, den die Autorin selbst vorträgt. Katja und Hans haben ein Tête-à-Tête am See. "Nur der geile Schrei des Erpels mengt sich unter ihre Küsse:' Doch da bricht ein Fremder wie ein Albtraum in die Welt der Liebenden. Mit entsicherter Pistole will der Voyeur das Paar zum Sex zwingen. Katja rennt um ihr Leben. "Im Boden spürt sie die federnden Schritte des Häschers. Sein pfeifender Atem nähert sich. Da schließt sie die Augen." Sich auszumalen, was nun geschieht, überlässt Regine Kress-Fricke der Fantasie der Leser."
[Stuttgarter Zeitung, 17.3.2007]






Anne Birk
Zeit für ein gutes Buch! (06:23 Uhr, 19.12.2018)